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Erster Besuch aus Deutschland und Geburtstag in Tallinn

Mittwoch 03.02.2016, 20:00 Uhr. Ich hole Terry von der Bahnstation ab. Leider hatte ich ihr die falsche Verbindung vom Flughafen rausgesucht, sodass sie die Runde falschrum fährt und statt 20 Minuten über eine Stunde braucht.

Freitag 05.02.2016, 6:00 Uhr. Mein Geburtstag beginnt viel zu früh, die Fähre nach Tallinn legt um 8:45 Uhr am Hafen ab und wir brauchen mit dem Nahverkehr fast eine Stunde zum Pier. Auf dem Weg an Bord werden wir einer Sicherheitskontrolle unterzogen und ich werde mit tadelndem Blick angewiesen, mein Taschenmesser im Rucksack zu lassen. Mist, ich wollte mir doch an Bord einen piratenmäßigen Schwertkampf liefern. Während der Fahrt hält mich ein Geburtstagsgeschenk in Form von Video-Rätseln wach, ich füge mich brummelnd, bin aber viel zu müde um mich zu konzentrieren. Irgendwann finde ich doch noch etwas Schlaf, 2,5 Stunden nichts als Meer sehen sind verdammt einschläfernd. Die Finnen sind unbeirrbar und wach. Während ich gerade so die Augen offenhalten kann und in regelmäßigen Abständen in meine Kaffeetasse zu fallen drohe, beginnt der Finne seine Alkoholkur, das Herrengedeck zum Frühstück scheint bei vielen elementarer Bestandteil dieser Überfahrt zu sein. Dazu wird man mit seichter Live-Musik eines Gitarrenspielers berieselt.

Um 11:00 Uhr erreichen wir Tallinn. Die Menschenmasse rollt von Bord… und verschwindet. Nur ein Bruchteil der Passagiere verlässt mit uns den Hafen in Richtung der Altstadt, der Großteil scheint nur für einen Zweck hier zu sein: Alkohol kaufen und dann ab auf die Fähre zurück (die um 12:00 Uhr ablegt).

Die Altstadt von Tallinn zu erreichen dauert vom Hafen aus ca. 10 Minuten. Unterwegs kommen wir an unzähligen Supermärkten vorbei, die ausschließlich Alkohol zu verkaufen scheinen. Es ist nicht zu übersehen, was den Normalverbraucher hier hinzieht. Einmal nah der Altstadt ändert sich das Bild schlagartig: Man scheint großen Aufwand betrieben zu haben, das mittelalterlich Stadtbild zu erhalten, man fühlt sich, als wäre man in einer großen Playmobil-Ritterburg. Unsere Fähre zurück legt um 18:45 Uhr ab, um 18:15 Uhr müssen wir also zurück am Hafen sein. Das gibt uns knapp 7 Stunden Zeit um die Stadt zu erkunden.

Die Altstadt ist komplett auf Touries ausgerichtet, überall gibt es Souvenirs, alles hat ein Mittelalterthema, alles kostet Eintritt. Nach einer ersten Runde suchen wir uns ein Café und finden im Reval Café ein kööööstlichen Käsekuchen mit frischer Erdbeersoße. So gestärkt klettern wir einen Hügel hinaus um das obligatorische Tallinn-Panoramafoto zu schießen. Wieder unten ist es Zeit fürs Mittagessen, wir finden mit dem Pulcinella einen Italiener mit normalen Preisen (ungefähr Deutschlandniveau). Das Restaurant liegt im Keller und hat einen leichten Höhlencharakter, von irgendwoher seiert ein italienischer Schnulzensänger. Der Wirt ist sehr freundlich und wirft extra für uns einen Heizkörper neben dem Tisch an. Wir sind die einzigen Gäste, hier scheint gerade absolute Nebensaison zu sein, generell ist die Stadt sehr leer. Unsere Pizzen sind sehr lecker, wobei es vermutlich nicht besonders schwer ist, mich nach einem Monat des Verzichts mit einer Pizza glücklich zu machen.

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Nach dem Essen machen wir uns zu einer zweiten Runde auf… uns stellen fest, dass wir alles schon gesehen haben. Jedes Mal, wenn uns eine Straße unbekannt vorkommt und wir ein paar Meter weitergehen, bemerken wir, dass wir sie nur aus einem anderen Winkel oder einer anderen Richtung erkundet haben. Der Stadtkern ist winzig. Irgendwann geben wir das Sightseeing auf und widmen uns banaleren Themen: Alkohol. Wir suchen uns einen Alko und vergleichen Preise. Für Bier zahlt man rund die Hälfte des Preises in Helsinki, der Karton mit 24 Dosen kostet ca. 12,50€, wir kaufen zwei. Bei Wein spart man schon deutlich mehr, für 15€ kaufen wir zwei Flaschen guten, trockenen, deutschen Riesling. Für den selben Preis würde man in Helsinki eine Flasche Fusel bekommen. Die größten Preisunterschiede gibt es beim Hartsprit, der ist in Helsinki schlichtweg unbezahlbar, wenn man nicht gerade irgendeinen Osteuropäischen Blindmacher in der Plastikflasche kaufen möchte (und selbst der ist noch teuer). Ich kaufe mir eine Flasche Gordons Gin und fühle mich mit meinem Gesamtpaket für die nächsten Monate gut eingedeckt.

Anschließend schliddern wir die völlig eisbedeckten Straßen neben der historischen Stadtmauer entlang Richtung Irish-Pub und verbringen dort die restliche Zeit mit einem Guiness.

Zurück am Hafen treffen wir auf die Finnen, die mit der Nachmittagsfähre nach Tallinn geschifft wurden. Sie haben den kurzen Aufenthalt genutzt und sich in der Hafengegend mit Alkohol eingedeckt. Die Mengen sind beeindruckend. Viele sind mit (leeren) Rollkoffern angereist, die so groß sind, dass ich vermutlich bequem in ihnen mitfahren könnte. Diese Koffer sind nun nicht mehr leer, sie ächzen unter dem Gewicht des Inhalts. Diejenigen, die keinen Rollkoffer mitgebracht haben, ziehen nun einen kleinen Transportwagen (das Gestell erinnert an einen Rentner-Hackenporsche ohne Tasche), den man hier in jedem Getränkemarkt entweder kaufen kann oder ab einem bestimmten Einkaufspreis dazu bekommen, ich bin nicht ganz sicher. Auf jedem dieser Wagen thronen mindestens 5 Kartons Bier, zudem meist noch andere, härtere Spirituosen, die mit Spanngurten oben drauf befestigt sind. Einige Passanten haben sogar zwei dieser Wägelchen oder eine Kombination aus Hackenporsche und Rollkoffer. Es ist unglaublich.

Über die Rückreise habe ich gelesen, dass die Fähre als Partyboot bezeichnet wird. Das erweist sich als ziemlich zutreffend, der Finne fackelt nicht lange und probiert den jüngst erworbenen Bölkstoff aus. Die Fähre hat noch nicht abgelegt, da wabert schon eine intensive Alkoholwolke durch die Gänge. Im Bug, wo morgens noch der Gitarrenspieler geklimpert hat, legt jetzt ein Elektro-Rap-Ensemble, die Teflon Brothers, auf. Vor der Bühne geht die Menge steil, zuerst nur das Jungvolk, nach kurzer Zeit aber ein Mix aller Altersgruppen. Interessant ist, dass mitten in der hüpfenden und mitsingenden Partymeute mehrere Seniorenpärchen Standard zu den harten Elektrobeats tanzen.

Pünktlich um 21:15 Uhr erreichen wir Helsinki. Die Straßenbahn und der Bus bringen uns zurück zur Vuolukiventie 1b, wo wir die erworbenen Schätze in mein Zimmer bringen und uns zur common kitchen aufmachen. Hier findet gerade ein Vortrinken statt, es ist rappelvoll. Wir schließen uns meiner peer-group an, die offenkundig schon reichlich getankt hat. Alles quasselt durcheinander, alkoholbedingt haben sich die Akzente verschlimmert, man versteht sein eigenes Wort nicht. Aber es ist nett, als Cyprien mich sieht wird kurz ein Geburtstagslied angestimmt, danach geht man weiter dem Trinken nach. Terry und ich sind viel zu fertig, als sich die Bande in die Stadt aufmacht gehen wir schlafen.

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MK:n ja Mao:n G∀NG$T∀-sitsit

Donnerstag, 28.01.2016, 11:30 Uhr. Juliette, meine französische Kommilitonin und Mitleidende im tourism and development-Kurs erzählt mir von etwas namens sitsit und fragt, ob ich auch komme. Sie verkauft es mir als etwas traditionell Finnisches, was man auf gar keinen Fall verpassen sollte. Ich höre zum ersten Mal davon und verspreche, mich zu informieren und ggf. anzumelden.

Für die Anmeldung muss man seine student-organisation angeben, ich bin in aber in keiner. Ich wende mich an die Organisatoren und frage, ob ich trotzdem kommen kann. Ich erhalte zwei Antworten von verschiedenen Personen, eine positive und eine negative. Die positive stellt sich als richtig heraus. Als ich nachsehe, wann und wo die Party steigt, fällt mir auf, dass ich bis direkt vorher einen Kurs habe und mich dann noch zum anderen Ende der Stadt aufmachen müsste. Ich versuche mich abzumelden, aber es ist zu spät. Even if you don’t come, you have to pay. Na gut, dann muss ich eben kreativ werden.

Dienstag, 02.02.2016, 18:00 Uhr. Natürlich hat Michail wieder überzogen. Um kurz nach 6 renne ich zum Bus. Die anderen aus dem Kurs, die auch zu der Party wollen, sind einfach während der Gruppenarbeit abgehauen. Kam mir ein wenig unfair den anderen gegenüber vor. Die Busfahrt dauert ewig, ich muss nach Espoo, einem Außenbezirk von Helsinki. Den letzten Kilometer muss ich laufen, es ist furchtbar glatt, ich bewege mich langsam. Gegen 19:00 Uhr, eine gute Stunde zu spät, erreiche ich die angegebene Adresse und betrete den Partykeller.

Der Temperaturunterschied ist enorm. Die Luft ist verbraucht und alkoholgeschwängert. Es wird gesungen. Ich gehe seitlich in Richtung der Theke, um mich anzumelden und die Teilnahmegebühr von 15€ zu bezahlen. Dort erhalte ich einen welcome-drink (Gin Tonic, lauwarm) und werde zum einzigen leeren Stuhl im Raum geführt. Dort serviert man mir einen Hot Dog, einen Shot Vodka und einen Plastikbecher voll Wasser. An meinem Tisch sitzen Juliette, eine weitere Französin namens Céline und ein Finne, dessen Namen ich nicht verstehe. Alle sind verkleidet, ich hatte weder ein Kostüm, noch Zeit eines zu besorgen, bin also in Zivil. Um mich herum sitzen verschiedene Ausprägungen von Gangstern, der Typ Ghetto-HipHoper überwiegt, aber auch ein Sträfling in gestreifter Uniform ist anwesend. Diese Art von Event scheint einem einfachen Schema zu folgen: In unregelmäßigen Abständen steht jemand auf und hält eine Rede (leider auf Finnisch, ich verstehe mal wieder gar nichts) und nennt zum Schluss eine Nummer, die einem Lied in dem kleinen Heft entspricht, dass auf jedem Tisch liegt. Dann wird gesungen, meist auf Finnisch, hier aber immerhin mit Text für mich. Viele Lieder haben individuell anpassbare Strophen, sodass nicht alles im Heft steht. Oft wird am Ende einer Strophe getrunken, in jedem Fall aber am Ende eines Liedes (zwischendurch eher Bier, am Ende der Vodka). Großartiger Kontakt mit den Finnen findet nicht statt, auch auf der Party besteht die ERASMUS-Blase. Abgesehen von einigen kurzen Gesprächen mit verschiedenen Finnen verbringe ich den Großteil der Party mit den Französinnen. Zwischendurch werden wir aufgefordert uns zu erheben und an einer Polonaise teilzunehmen, während die zwei Finnen, die das dazu passende Lied angestimmt haben, auf einem Tisch stehen und uns antreiben. Das Programm wird kurz vorm Ende noch durch ein Rap-Battle auf Finnisch abgerundet (Video). Gegen 23 Uhr verlasse ich gut angetrunken die Party (den Finnen, die DEUTLICH mehr getrunken haben, merkt man nichts an), ein langer Heimweg erwartet mich. Im Bus funktioniert meine Travel-Card nicht, ich erfahre, dass ich meine Zone verlassen habe und 5,50€ für die Fahrt zahlen muss. Das letzte Stück muss ich laufen, leider kenne ich den Weg nicht und mein Handy hat sich bereits im Bus mangels Akkuladung verabschiedet. Ich laufe nach Gefühl und erreiche die Vuolukiventie gegen halb eins.

Krankheit und graue Suppe

Was sich am Montag noch als leichte Erkältung angedeutet hat, entwickelt sich Dienstag und Mittwoch prächtig, ich falle 2 Tage aus und bleibe im Bett. Währenddessen wandelt sich Finnland vor meinem Fenster, die Temperaturen steigen und pendeln sich bei knapp über 0 Grad ein, was zur Folge hat, dass der Schnee zu schmelzen beginnt und sich das weiße Wunderland in eine graue Matschlandschaft verwandelt. Hinzu kommt, dass sich der Schneefall in Regen und Nebel verwandelt, selbst wenn ich nicht im Bett bleiben müsste, wäre mein Wunsch, das Zimmer zu verlassen nicht besonders groß. Durch das Schmelzen des Schnees wird es auch allgemein dunkler, ich kann langsam nachvollziehen, warum der Finne zu dieser Jahreszeit zu Depressionen, Alkoholismus und Suizid neigt. Am Donnerstag verlasse ich meine Höhle erstmal wieder, um nicht noch mehr in der Uni zu verpassen. Obwohl es gut 20 Grad wärmer ist, als in der vergangenen Woche, kommt es mir deutlich kälter vor, es ist nass und eklig und man kann sich deutlich schlechter vor dieser kriechenden Kälte schützen als vor den trockeneren Minusgraden. Hinzu kommt, dass man jetzt ununterbrochen aufpassen muss, um nicht mordsmäßig auf dem Arsch zu landen, die Bürgersteige sind mit einer Mischung aus gefrorenem Schnee, matschigem Schnee und einer dünnen Gleitschicht aus Wasser bedeckt. Viele der Passanten tragen Gummistiefel, in Anbetracht der Tatsache, dass auch meine Outdoor-Schuhe mit ordentlichem Profil keinerlei Grip mehr haben, wahrscheinlich nicht die schlechteste Wahl. Ich stelle fest, dass ich mich nicht auf Regenwetter eingestellt habe, die Aussicht auf -27°C haben mich diesen Aspekt des finnischen Wetters komplett vergessen lassen. Ich beschließe, in naher Zukunft in einen Regenschirm zu investieren.

From start to Finnish

Montag, 25.01.2016. Das Schwitzen beim Cross-Country-Skiing zusammen mit der Kälte und der Allgegenwärtigkeit von hustenden und schniefenden Mensch haben es geschafft: Ich bin erkältet. Tatsächlich liegen ca. 50% der Gruppe flach. Ich verbringe den Tag schniefend in der Bibliothek an der Heizung und verschleiße zahllose Packungen Taschentücher. Montags habe ich nur abends meinen Finnisch-Kurs, der heute beginnt. Aber anders als in Deutschland ziehe ich hier die Bibliothek meinem eigenen Zimmer als Arbeitsplatz vor. Gegen 18:00 Uhr schleppe ich mich ins Nachbargebäude, als ich ankomme hat der Kurs bereits begonnen, scheinbar der einzige Kurs hier der um Punkt beginnt. Ich bin nicht der einzige, bis Viertel nach füllt sich der Raum nach und nach. Der Kurs wird geleitet von Ralitsa Petrunova und ist ein Angebot für Austauschstudenten, demnach englisch-finnisch. Ich weiß nicht, ob Ralitsa Finnin ist, dem Namen nach jedenfalls eher nicht. Ihrem Englisch nach könnte sie irgendwo aus Osteuropa stammen, andererseits rollen die Finnen das R auch. Der Kurs ist überwiegend mäßig interessant, es wird nicht direkt ins Lernen der Sprache eingestiegen, sondern wir erhalten erstmal eine allgemeine landeskundliche Einführung. Witzig ist eigentlich nur, wenn sie uns Eigennamen von Personen, Dingen und Sachverhalten präsentiert und wir diese zusammen mit ihr aussprechen üben:

Finnland: Suomi

Finnlands Präsident: Sauli Niinistö

Finnlands größter See: Saimaa

die dunkelste Zeit des Winters: kaamos

mehrere Schichten Kleidung übereinander tragen: kerrospukeutuminen

Eiszapfen: jääpuikko

Ein bisschen steigen wir dann aber doch noch ins Lernen der Sprache ein. Die Basics:

Es gibt die gleichen Umlaute wie in Deutschland, nur, dass hier das Y das Ü ist. Anders als im Deutschen werden die Umlaute aber durchaus hintereinander geklatscht, es entstehen Worte wie yötä [ü-ö-tä], zu Deutsch: Nacht.

Es wird IMMER die erste Silbe eines Worts betont, was unter anderem dazu führt, dass Finnisch so eine merkwürdige Sprachmelodie hat.

Doppelte Vokale oder Umlaute werden einfach langgezogen, ähnlich einem Vokal/Umlaut + h im Deutschen.

Wörter die sich ähnlich schreiben und ähnlich klingen haben meistens nichts miteinander zu tun. Ein Beispiel: Tili, Tiili und Tilli sind übersetzt das Bankkonto, der Ziegelstein und Dill. Ein Wort falsch auszusprechen kann den Unterschied machen zwischen einer netten Verabredung und dem Gefängnis: tapa = treffen, tappa = töten.

Das R und das L werden gerollt, ein H hinter einem Vokal oder Umlaut wird gesprochen wie das CH im Deutschen (nicht das aus Ich sondern das auch Krach, mir fehlt hier die Fachterminologie). Wichtig: Kaffee = Kahvi [Kachwi].

Finnen sind die Meister des Kompositums. Ich hatte mich im Supermarkt schon gefragt, warum jedes Produkt, dass man kauft, einen derart langen Produktnamen hat. Die Antwort: der Name gibt quasi schon detailliert Auskunft darüber, worum es sich handelt. Ein Beispiel aus dem Finnischkurs: sähköpostiosoite ist die E-Mail-Adresse und setzt sich zusammen aus sähkö (Elektrizität), posti (Post) und osoite (Adresse).

Es gibt keine Artikel oder Wortgeschlechter, dafür aber 15 Fälle.

Und last but not least: Es gibt eine formale und eine gesprochene Sprache, die scheinbar wenig Ähnlichkeit miteinander haben.

Nachdem wir diesen sehr schnellen Abriss der finnischen Grammatik bekommen haben, lernen wir noch ein wenig Alltagsfinnisch:

jmd. grüßen: Hei, moi oder (etwas altbacken) terve

sich verabschieden: hei-hei, moi-moi (nicht terve-terve)

ich bin: minä ole

freut mich, dich kennenzulernen: hauska tavata

wie geht es dir?: kuka sinä olet?

danke: kiitos

Cross Country Skiing

Samstag, 23.01.2016, 13:00 Uhr. Wir fahren mit dem Bus nach Viikki, wo sich der nächste Unisport-Standort befindet. Da Martin ja mit dem Auto angereist ist, hat er seine eigenen Skier dabei und trägt sehr professionell aussehende Sportbekleidung. Der Rest von uns erscheint in Jeans und Winterjacke. Bei Unisport angekommen treffen wir Jenna, die in Viikki wohnt und ich kaufe für 72€ die Unisportkarte für das gesamte Semester und bin damit nun befugt, alle Sportangebote des Unisport zu nutzen. Mal sehen, wie oft ich meinen Hintern hochkriegen werde. Wir erhalten jedenfalls eine kurze Einweisung, wie wir unsere Ausrüstung auswählen sollten: Schuhe so eng wie möglich, Skier 15-25cm länger als wir groß sind, Stöcke 15-25cm kürzer als wir groß sind. Danach ziehen wir los in Richtung „the field“.

Dort angekommen erklärt uns Martin, wie wir in die Skier kommen und die Bewegungsabläufe beim Laufen. Obwohl das Ganze sehr an Laufen erinnert, kann man dabei wunderbar einfach auf dem Arsch landen. Ich glaube den meisten Schnee sammeln Cyprien, Jerome und ich in unseren Klamotten an, Simone scheint in seinem Leben schon diverse Male auf Skiern gestanden zu haben und lacht sich jedes Mal halb tot, wenn wieder einer von uns baden geht, Jenna traut sich nicht und schleicht im Schneckentempo hinter uns her (fällt aber auch nicht hin) und Martin legt einen Raketenstart hin und ward nicht mehr gesehen.

Es gibt zwei Stile für Cross-Country-Skiing: Classic und Skating. Ich nehme mir vor, nächstes Mal Skating auszuprobieren, was Inline-Skating sehr viel näherkommen dürfte. Dafür braucht man allerdings andere Schuhe und Skier, die es aber auch beim Unisport gibt.

Spaß macht das Ganze aber trotzdem, wir laufen gut zwei Stunden, es entstehen diverse Videos, auf denen zu sehen ist wie wir wieder und wieder auf dem Arsch landen. Anschließend kehren wir durchgeschwitzt (Winterjacken mit Fleece sind keine gute Sportbekleidung) und nass vom vielen im Schnee liegen zurück zum Unisportgebäude und fahren heim.

Italiener und Parmesan

Donnerstag, 21.01.2016, 20:00 Uhr. Wir sind zum Kochen verabredet, den ganzen Tag über wurde diskutiert, was es geben soll, das Ergebnis: Risotto. Ich bin unbegeistert, bin ich doch überzeugter Risotto-Hasser. Leider funktioniert das mit der Demokratie ganz gut in der Gruppe. Über den Tag verteilt haben immer mehr Leute Interesse an einem gemeinsamen Kochen bekundet, niemand weiß so richtig, wie viele es nun tatsächlich sein werden. Knapp 15 Personen erscheinen. Das Kochen ist eine Riesenaktion, alle 4 Herdplatten sind in Benutzung, bergeweise Gemüse wird geschnippelt, jeder steht jedem im Weg rum. Unumstritten ist, wer das Ruder in der Hand hat: Ingrid gibt Anweisungen und kocht wie eine Weltmeisterin. Eine Zutat, die nicht fehlen darf: frischer Parmesan. Und wo kommt der her? Exakt, aus Italien, angereist in Ingrids Koffer. Parmesan scheint beim Italiener zum Reisegepäck zu gehören wie in anderen Ländern Kamera und frische Unterwäsche (auch das habe ich bereits in Lissabon von Jans Mitbewohner gelernt, aber nicht so recht glauben wollen).

Nach gut 90 Minuten kommt die Pampe auf den Teller, grau-bräunlich schleimig sieht sie aus… und schmeckt erstaunlich gut. Die Portionen fallen allerdings etwas klein aus, da nicht für 15 Leute eingekauft wurde. Wer noch Hunger hat isst Salat oder den trockenen Reis, den Martin spontan noch gekocht hat, als abzusehen war, dass das Risotto nicht sattmachen würde.

Die Köchin wird jedenfalls in höchsten Tönen gelobt und es wird beschlossen, auch beim nächsten Kochen weiter die italienische Speisekarte abzuarbeiten.

Kirppis

Mittwoch, 20.01.2016, 15:00 Uhr. Ich folge dem Rat des tschechischen Fremden und mache mich auf Richtung Kirppis, um hoffentlich endlich mein Kaffee-Problem zu lösen (meine einzige Kaffee-Quelle ist die Uni und wenn ich dort meinen geliebten Schnösel-Kaffee kaufen möchte, kostet mich jeder Becher 3,50€). Circa 500 Meter von meiner Haustür entfernt befindet sich eine kleine Versorgungsinsel für das Viertel, mit kleinem Supermarkt, Blumenladen, Frisör, Geldautomat und was man eben sonst noch so braucht. Und eben: dem Kirppis. Von außen kann man nicht in den Laden schauen, alle Fenster sind mit braunen Folien verklebt. Als ich den Laden betrete, verstehe ich, was Matt damit meinte, dass man hier wirklich alles kaufen kann. Mit Läden wie der „Recycling-Börse“ aus Herford hat das hier nicht mehr viel zu tun, es ist quasi ein riesiger Indoor-Flohmarkt, nur, dass niemand hinter den Tischen steht, sondern alle Artikel durchnummeriert sind und an einem zentralen Punkt bezahlt werden. Und, dass dieser Flohmarkt zu normalen Geschäftszeiten täglich geöffnet hat. Matt hatte mir noch empfohlen, mir Zeit zu lassen und wirklich alles anzuschauen. Ich nehme mir seinen Rat zu Herzen und verbringe über eine Stunde in dem Laden. Es gibt wirklich alles: Küchenwerkzeuge, technischen Schnickschnack, Sportgeräte, Kleidung und jede Menge Tand und Trödel. Ich verlasse den Laden mit einem Herdkännchen für Espresso, einer Pfanne und einer Springform, alles zusammen für 17€. Hochzufrieden gehe ich mich im benachbarten Supermarkt mit Espressopulver eindecken und anschließend nach Hause. Den Kirppis werde ich aber vermutlich noch öfter besuchen.